Ausstellung "Geschichte der Segelfliegerei im Sauerland"

Museum Eslohe
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Datum: Donnerstag, 2. Januar 2020 00:00 - Dienstag, 31. März 2020 00:00

Geschichte der Segelfliegerei im Sauerland - die Ausstellung
Der "Historischer Flugsportverein Sauerland e.V." zeigt seine Dokumentation zur Geschichte der Segelfliegerei Ende 2020. Der Aufbau gestaltete sich zunächst etwas problematisch, denn der Original Schulgleiter sollte in den Eberhard-Koenig-Saal, wo die Sonderausstellung stattfindet. "Wenn Sie glauben, einen SG38 unter eine Sparkassendecke zu hängen wäre eine Leistung, dann sollten Sie mal sehen, wie man einen SG38 durch’s Treppenhaus in den ersten Stock eines Museums transportiert", witzelte Bodo Kirtz vom Vorstand des Vereins. Zu sehen sind außer dem Schulgleiter, historische Geräte, Dokumente und Fotos. Eine Powerpoint zeigt die Geschichte der Flugschule Schüren.

Geschichte der Segelfliegerei im Sauerland
1891 lief Otto Lilienthal mit seinem Fluggerät einen Hügel nördlich von Berlin hinab und glitt mit seinem Fluggerät fünfundzwanzig Meter durch die Luft. Es war die Geburtsstunde der Fliegerei. In den 1920er Jahren wird die Fliegerei auch im Sauerland begründet.
Winterberg als Keimzelle
Die Fliegerei entwickelte sich in den Folgejahren immer weiter und erreichte im Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt. Nach dem verlorenen Krieg war es den Deutschen untersagt Flugzeuge zu bauen oder zu nutzen. Erlaubt blieb die Segelfliegerei, die rasch weiterentwickelt wurde und auch bald ins Sauerland Einzug hielt. Der berühmte Flugzeugkonstrukteur Alexander Lippisch entwarf für eine Firma aus Hagen Segelflugzeuge. Für die Flugexperimente zog er durchs Sauerland und man baute 1923 in Winterberg eine Halle mit Konstruktionsbüro zur Planung und zum Bau von Segelflugzeugen. In der Krisenzeit ging der Hagener Firma 1925 „die Puste aus“ und Lippisch ging zur Wasserkuppe.
Ein Stockhausener begründet das Segelfliegen im Sauerland
1928 befiel das Flugfieber einen jungen Sportstudenten aus Stockhausen bei Meschede. Arnold Flues studierte in Berlin und erlernte in Rossitten (Ostpreußen) das Segelfliegen. Bei seiner Rückkehr in die Heimat steckte er viele Menschen mit seiner Flugbegeisterung an. Mithilfe der örtlichen Zeitung sammelte er junge Leute um sich und baute in einer ehemaligen Kirche in Wennemen mit Genehmigung des Pastors einen Schulgleiter. Als Folge der Weltwirtschaftskrise waren unzählige Menschen arbeitslos und das Material für das Fluggerät musste quasi „vom Munde abgespart“ werden.
Schüren wird zum Mittelpunkt
Bei den Flugversuchen in Stockhausen, Wennemen und Meschede schauten viele Hunderte Menschen zu. Flieger aus Nah und Fern kamen ins Sauerland. Der Gutsbesitzer Josef Grewe aus Schüren bot den Fliegern Scheune, Hof und Ländereien als Unterkunft und Fluggelände an. Schon bald kamen die Flieger u.a. aus Hagen, Menden, Schwerte, Mühlheim an der Ruhr und aus Rheinberg in das beschauliche Dörfchen. In Meschede gründete sich 1932 der „Luftfahrtverein Sauerland“. Die Flugbegeisterung im Land war riesig. Das erkennt man daran, dass die Wochenzeitung „Grüne Post" einen detaillierten Bauplan von Alexander Lippisch für ein Segelflugzeug abdruckte und Segelflugwettbewerbe ausrichtete. Im November 1932 gründeten die Flieger aus Arnsberg, Hagen, Menden. Schwerte, Iserlohn, Letmathe und Meschede in Arnsberg die Segelfluggesellschaft Meschede-Schüren. Zweck war die Errichtung einer Segelflugschule und eine Werkstattausbildung. Weitere Vereine traten bei.
Die Nazis förderten die Fliegerei
Die Nationalsozialisten machten sich nach 1933 diese Flugbegeisterung zunutze und beeinflussten die Fliegerei mehr und mehr ideologisch. „Das ganze deutsche Volk muss ein Volk von Fliegern werden“, sagte Hermann Göring, selbst Pilot im ersten Weltkrieg, ab 1933 Reichsminister der Luftfahrt und ab 1935 Oberbefehlshaber der neugegründete Luftwaffe. Fortan förderte man den Ausbau massiv und organisierte die Flugausbildung militärisch. Nach Schüren kamen auch Gruppen der Hitlerjugend. Zunächst wurden dort Baracken gebaut, dann die Halle und das Gebäude der Flugschule. 1935 war der Bau fertig. Das Gebäude ist übrigens aus Recycling-Material errichtet. Alte Lokschuppen in Schwerte und Westig (Hemer) wurden abgerissen und das Material nach Schüren geschafft. Bis zum Jahre 1937 haben 1200 Flugschüler und 350 Werkstattleiter in Schüren eine Ausbildung erhalten. Schüren wurde eine von vier Reichswerkstattleiterschulen. Etliche Werkstattleiter legen ihre Meisterprüfung als Segelflugzeugbauer Holz und Metall vor der Handwerkskammer in Arnsberg ab. Schüren muss zudem ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor für die Region gewesen sein. Ständig mussten hunderte Lehrgangsteilnehmer versorgt werden.
Das NS-Fliegerkorps
Ab 1937 wird der Deutsche Luftfahrtverband (DLV) in das Nationalsozialistische Fliegerkorps NSFK überführt. Die Segelfliegerausbildung ist nun offiziell eine Vorbereitung für die Piloten der Luftwaffe. In den Folgejahren, bis zum Ende des Krieges haben viele junge Männer und auch Frauen, in Schüren eine Segelflugausbildung bekommen.
Nachkriegszeit
Am Kriegsende zerstörten die Amerikaner fast alle Flugzeuge. Die Gebäude wurden bis 1954 als Kinderheim der Caritas genutzt. In den damals noch existierenden Baracken wurden zeitweise die Bauarbeiter für den Neubau der Hennetalsperre untergebracht. Die Mescheder Flieger flogen ab 1951 auf dem Rennefeld bei Schmallenberg und konnten erst 1954 auf ihr Gelände zurückkehren. Das imposante Gebäude der Flugschule steht unter Denkmalschutz und wurde im August 2006 vom LWL zum Denkmal des Monats gekürt.
• Der „Historische Flugsportverein Sauerland e.V.“ will die Geschichte der Fliegerei, speziell des Segelflugs, im Sauerland dokumentieren und bewahren.
• Das denkmalgeschützte Gebäude will der Verein in der Substanz erhalten und seine Nutzung dokumentieren. Geplant ist ein Museum einzurichten.
• Historisches Fluggerät soll rekonstruiert und wenn möglich flugfähig gemacht, alte Startarten und sonstiges Gerät für die Nachwelt bewahrt werden.

Bildzeilen: Der Schulgleiter SG 38 bildet das Kernstück der Ausstellung zur Geschichte der Segelfliegerei im Museum Eslohe. Foto: Gudrun Schulte

Die alte Segelflugschule in Schüren 1942. Foto: Historischer Flugsportverein

Der Schulgleiter S38 1934 in Schüren. Foto: Historischer Flugsportverein

 

 

Alle Daten


  • Von Donnerstag, 2. Januar 2020 00:00 bis Dienstag, 31. März 2020 00:00

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